Die Angst vor der Ablehnung des Asylantrags

Konfrontation mit der alltäglichen Praxis deutscher Asylpolitik

Mit Bestürzen müssen wir die alltägliche Praxis deutscher Asylpolitik kennenlernen. Menschen, die wir kennengelernt haben, die mit uns in Projekten zusammenarbeiten und sich auch für Demokratie und Weltoffenheit im Saalekreis engagieren, sollen plötzlich abgeschoben werden. Abschiebung in ein Land, in dem hunderttausende Menschen wegen der dramatischen Sicherheitslage fliehen und zu dem Deutschland selbst vor terroristisch-islamistischen Kräften warnt.

Deutschland schätzt es als notwendig ein, die Bundeswehr nach Mali zu schicken, um dort malische Streitkräfte auszubilden, damit diese stärker an Kampfhandlungen gegen islamistische Milizen teilnehmen können. Diese Milizen kämpfen seit Anfang 2012 gegen die Regierung und haben das Land zweigeteilt. Unter Anderem werden Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe verfolgt und vertrieben. Auch heute noch sterben in Mali Menschen und es finden Selbstmordattentate statt. Menschenrechtsverletzungen wurden von beiden Seiten begangen.

Cheickna Hamala Fadiga ist in Mali geboren und aufgewachsen. Islamisten haben seinen Vater ermordet und auch ihm mit dem Tode gedroht. Danach ist er über einen beschwerlichen Weg nach Europa geflohen, wo er sich Sicherheit erhoffte.

Mittlerweile seit 17 Monaten im Saalekreis, engagiert er sich vor Ort für Demokratie und Weltoffenheit. Mit der selbstgegründeten Flüchtlingsorganisation SARA (Saalekreis Refugee Association) setzt er sich gemeinsam mit Anderen für die Belange Asylsuchender ein, begleitet andere Flüchtlinge zum Arzt oder zu Behörden, um zu übersetzen und zu vermitteln. Im Rahmen eines Projektes des LAP Saalekreis besucht er Schulklassen und nimmt an Diskussionsrunden teil, um über die Erfahrungen und die Situation von Flüchtlingen zu berichten, Wissen zu vermitteln und so für Verständnis und Toleranz zu werben. Mit seiner herzlichen Art hinterlässt er spürbaren Eindruck bei jungen Leuten. Mit Studierenden der Hochschule Merseburg werden gemeinsam Möglichkeiten organisiert, die deutsche Sprache zu lernen oder sich regional und überregional zu vernetzen. Daraus sind Freundschaften entstanden und auch eine Beziehung.

Der Brief vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schlägt ein wie eine Bombe. Für die Entscheidung im Asylverfahren spielt es keine Rolle, wie gut man integriert ist und sich für die Aufnahmegesellschaft engagiert. Im Anhörungsprotokoll zum Asylverfahren sind die Ermordung des Vaters und die Todesdrohung gegen ihn kaum Platz. In dem Interviewbogen dominierend schlichte Ankreuzfragen. Ob der Mitarbeiter des Bundesamtes nicht mehr dazu dokumentieren wollte oder der Übersetzer es schlicht nicht ausreichend übermittelt hat, ist nicht mehr zu klären.

Laut Aktenlage beim BAMF ist eine Gefahr im Herkunftsland nicht gegeben. Der Asylantrag ist „als offensichtlich unbegründet abgelehnt“. Der „subsidiäre Schutzstatus wird nicht zuerkannt“. Verwaltungsakt abgehakt. Er wird aufgefordert, die Bundesrepublik innerhalb einer Woche zu verlassen.

So wie Hamala ergeht es vielen Asylsuchenden täglich. Die Angst eine Ablehnung ihres Antrags zu erhalten ist ständig präsent – über viele Monate, manchmal über Jahre. In Deutschland werden nur etwa 16 Prozent der gestellten Asylanträge anerkannt. Setzt man die Zahl gestellter Anträge in Beziehung mit der Einwohnerzahl, liegt Deutschland im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld. Für große Teile der Bevölkerung ist das irrelevant – genauso die Schicksale und Fluchtgründe. Die pauschale Verunglimpfung von Menschen als Sozialschmarotzer, ist selbst auf bundespolitischer Bühne kein Tabu und schürt Ängste. Rechte Hetzer, die aufrufen, eine angebliche „Asylflut“ zu stoppen, erhalten in vielen Regionen Deutschlands Zustimmung. Asylsuchende werden jahrelang zum Nichtstun verdammt, dürfen nicht arbeiten und gesellschaftliche Teilhabe wird gesellschaftlich, aber auch staatlich erschwert.

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